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SKIFAHREN BEI TRIENT
Revival des Monte Bondone

Das Skigebiet am Monte Bondone, nahe der oberitalienischen Stadt Trient, war in den zwanziger Jahren berühmt. Danach geriet es in Vergessenheit, bis ein junger Manager seine Chance erkannte.
Von Michael Kröger und Carsten Matthäus

Trient - "Das ist ein bisschen verboten", sagt Fabio Decarli und lächelt dabei verschmitzt. Gerade hat der Wirt des "Orso Grigio" ein paar Gläser seines "Grappa di Mugo" ausgeschenkt. Den Geschmack, der irgendwo zwischen Hustensaft, Magenbitter und Grappa angesiedelt ist, bekommt der Tresterschnaps von Latschenkieferzapfen. Latschenkiefern wachsen weit oben im Gebirge und stehen unter Naturschutz. Selbst das Sammeln der Zapfen ist tabu.

50 bis 60 Liter des hausgemachten Grappas destilliert Decarli jedes Jahr, und er schenkt ihn meist gratis an seine Gäste aus. Diejenigen, die wegen des Pflückverbots besorgt sind, kann er beruhigen. "Wir sammeln nur ganz wenige", sagt der Wirt. Und bestraft worden sei er deshalb auch noch nicht.

Das ist keineswegs verwunderlich, denn Decarli hat viele Freunde in Trient. Das "Orso Grigio", das von der Einrichtung her - wie die meisten guten und sehr guten italienischen Ristoranti - eher den Charme einer Bahnhofsgaststätte ausstrahlt, ist eine Art Stadtküche. Die Busfahrer der Stadt treffen sich hier genauso wie die Behörden- und Bankchefs, die am Nebentisch gerade beim Kaffee angekommen sind. Hier ist das gemeinsame Essen kein Staatsakt, sondern zwangloser Genuss.

Decarli, der vor rund 40 Jahren aus den Bergen in die Stadt kam, lockt seine Gäste mit einer raffinierten Komposition einfacher Speisen. Nur ein Beispiel: "Polentina di Storo con ricotta affumicata", das sind Scheiben von leicht angeräuchertem Ricottakäse auf ein wenig Polenta, die mit Parmesan verfeinert wurde - für die einfache aber unglaublich leckere Vorspeise hat er sogar schon einen Preis bekommen.

Mit seinem weißen Vollbart, der gegerbten Gesichtshaut und seiner rustikalen Garderobe verkörpert Decarli die Philosophie, die auch in der Speisekarte und im "Grappa di mugo" steckt: Das wahre Glück liegt in den Bergen, die Trient umgeben - die Brenta und das Adamello-Presanella-Massiv auf der einen Seite, die Fassataler Dolomiten und die Marmolada auf der anderen Seite.

Wie eng die Stadt mit ihren Bergen ringsum verbunden ist, das will man in Trient in diesem Jahr besonders ins Blickfeld rücken. Es gibt auch einen Anlass: Von der Arbeitsgemeinschaft der Alpenstädte ist Trient zur "Alpenstadt des Jahres 2004" gekürt worden, ein Titel, der mit verschiedenen Rechten und Pflichten verbunden ist.

Wie gut sich urbanes und alpines Leben kombinieren lassen, soll mit einer Reihe von Veranstaltungen vorgestellt werden. Vom 2. bis 9. April wird zum Beispiel das 52. Bergfilmfestival gefeiert, vom 28. Mai bis 6. Juni wird unter dem Titel "la città in giardino" ("Die Stadt als Garten") eine Art Gartenschau über die gesamte Fußgängerzone der Stadt verteilt. In den Restaurants soll es dann Gerichte geben, in denen Blumen die Hauptrolle spielen.

Derzeit ist - dank der gute Schneesituation, die Wintersaison noch in vollem Gang, und hier hat Trient ein kleines Skigebiet in direkter Nähe: der Monte Bondone. Lange Jahre fristete der Hausberg der Trienter inmitten der weltberühmten Nachbarmassive ein Schattendasein.

Nach der Glanzzeit in den zwanziger Jahren wurden viele Unterkünfte kaum renoviert, die Liftanlagen veralteten und spektakuläre Pisten gab es auch nicht. Zu allem Unglück verunstaltet den knapp 2100 Meter hohe Gipfelpunkt namens Palon auch noch eine hässliche Wetter- und Antennenstation.

Mittlerweile jedoch sind die Trienter aufgewacht. Einen Berg, der bei guten Wetter eine so schöne Panoramasicht über die südlichen Alpen bietet, lässt man nicht einfach dahinsiechen, sagte sich Andrea Bertoli, der junge Chef der Liftgesellschaft "Trento Funivie", der seit zwei Jahren die Geschäfte führt.

Der ehemalige Unternehmensberater sorgte zunächst für einen kleinen Rekord. Für 15 Millionen Euro ließ er einen modernen Sessellift bauen, der 809 Meter Höhendifferenz überwindet - Bertoli zufolge mehr als jeder andere Sessellift in Europa. Auch die mit 3,5 Kilometern längste Piste des Monte Bondone, Gran Pista genannt, wurde neu hergerichtet und verfügt jetzt über eine gute Mischung aus anspruchvollen Steilpassagen und sanfteren Abschnitten. Von der Regionalzeitung "L'Adige" wurde sie gar zur besten Skipiste der Provinz Trentino gekürt.

Für das nächste Jahr ist ein moderner Sessellift auf der anderen Seite des Monte Bondone geplant, der einen in die Jahre gekommenen Zweier-Lift ersetzen soll. Insgesamt, so die Pläne von Bertoli, sollen so nach und nach 30 Kilometer Pisten entstehen. Die meisten werden - bis auf einen kleinen schweren Abschnitt am Gipfel - zur roten (mittelschweren) und blauen (leichten) Kategorie gehören. Schneekanonen sorgen dafür, dass der Skiurlaub nicht zum unkalkulierbaren Risiko wird.

Mit dem Skigebiet wäre auch schon die Zielgruppe beschrieben, die der rührige Liftanlagen-Chef auf den Monte Bondone locken will. Das Angebot richtet sich in erster Linie an junge Familien. Für diese hat Bertoli zum Ausklang dieses Skiwinters (die Saison endet eine Woche nach Ostern) noch ein Angebot im Köcher, das auch dann als Knüller gelten kann, wenn man in einer Ferienwohnung untergebracht ist: Ab 125 Euro pro Person bietet einen Sechs-Tage-Skipass inklusive sieben Tage Übernachtung. Kinder unter acht Jahren fahren kostenlos mit. Da bleibt in der Urlaubskasse sicher noch Luft für ein Abendessen bei Decarli im "Orso Grigio".

SPIEGEL ONLINE vom 05.03.2004


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